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Meine Tante nähte 100 Outfits für eine Schulfeier: Rote Hosen und blaue Oberteile und dann noch passende Haarschleifen. Meine Schwester, meine Cousine und ich – vielleicht war ich damals 13 Jahre alt – saßen auf Plastikstühlen vor diesem Haufen Kleidungsstücke und haben die Nähte gesäubert. Mit kleinen Bastelscheren schnitten wir das überschüssige Garn ab, drehten die Blusen, Hemden und Hosen wieder richtig herum und legten sie zusammen. Wir redeten nicht viel, der Jüngste in der Familie rannte kichernd um uns herum und warf sich immer wieder in den Kleidungshaufen. Meine Tante hatte innerhalb weniger Tage 100 Outfits fertig gestellt. Ich kenne keine Person die schneller nähen kann. Ich komme aus einer Familie mit vielen Schneiderinnen – meine Großmütter väterlicherseits und mütterlicherseits, meine Mutter und ihre jüngere Schwester verdienten alle mit der Herstellung von Kleidung ihren Lebensunterhalt oder tun es noch immer. Schneiderin ist ein Beruf, der schnell romantisiert werden kann: Wie schön ist die Vorstellung, für sich selbst Kleidung nähen zu können. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass meine Mutter das jemals getan hat. Aber in dieser Vorstellung steckt die Idee der Möglichkeit von Selbstversorgung. Meine Großmutter erzählt mir oft die Geschichte, dass sie von ihrer Freundin zur Hochzeit eingeladen wurde und schon Tage vorher anreisen sollte, um ihr ein Hochzeitskleid maßzuschneidern. Sie musste aus ihrem Wohnort in Norddeutschland mehrere Stunden in den Süden Deutschlands zu der Hochzeit fahren und erklärt: „Sonst kam ich dort ja nicht weg, ich war immer in dem Ort. Mein Beruf gab mir die Möglichkeit zu reisen.“ Sie beschreibt ihre Selbstständigkeit. Ähnlich verhält es sich bei den anderen Frauen in meiner Familie: Der Beruf als Schneiderin erlaubte es ihnen neben der Tätigkeit als Hausfrau zu arbeiten, Geld zu verdienen, zum Lebensunterhalt beizutragen, überhaupt das Gefühl zu haben, etwas beitragen zu können (da Care Arbeit noch immer unbezahlt ist). Sich im Patriarchat Handlungsfähigkeit zu erarbeiten wirkt eben auch einem Ohnmachtsgefühl entgegen, auch dann wenn es in einem klar abgesteckten Rahmen ist. Doch da Schneiderinnen meist unter prekären Arbeitsbedingungen schuften, bietet dieser Beruf keine Unabhängigkeit, sondern manifestiert sich als weiblich markierter Nebenverdienst: Sie tragen zum Lebensunterhalt der Familie bei, sind abhängig von anderen Einkünften oder müssen 100 Outfits an einem Tag unter Mithilfe von Kindern mit Bastelscheren nähen.

 

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Ein Beitrag geteilt von Arpana Aischa (sie/ihr) (@a_aischa) am

Deshalb ist es wichtig, sich bewusst zu machen, wie viel Arbeit in einem Stück Kleidung stecken kann, wie viele Hände daran arbeiten, die abends aneinander gerieben werden, weil die Finger von den immer gleichen Bewegungen steif geworden sind. Es ist genauso wichtig zu hinterfragen, wo wir unsere Kleidung kaufen, wer sie hergestellt hat und unter welchen Bedingungen und auch wo sie hinkommt, wenn wir sie nicht mehr tragen möchten. Und wenn wir einmal anfangen, diese Fragen nach Machtverhältnissen im Kontext von Sexismus, Rassismus und Klassismus zu stellen, müssen wir auch reflektieren, wie wir den Kleidungskonsum anderer bewerten. Denn was ich auch aus meiner Familie weiß: Schneiderinnen tragen nicht unbedingt die schönsten Kleider, auch dann nicht, wenn sie diese selbst nähen könnten. Diese muss man sich erst leisten können. Fairfashion und Second Hand bieten Möglichkeiten eines bewussteren Umgangs mit Kleidungskonsum. Es ist wichtig, dass Schneider*innen unter sicheren Bedingungen und fair bezahlt arbeiten. Das wirkt sich dann auch auf den Preis aus, den diejenigen, die sich das leisten können auch zahlen dürfen. Wer aber wenig Geld verdient, kann sich trendige Fairfashion nicht leisten und hat keine Zeit für Einkaufsbummel in Second Hand – und Vintage-Shops. Für sie hat ein neues (bezahlbares) Kleid, eine neue Hose oder das eine T-Shirt, das man sich schon so lange wünscht, eine ganz andere Bedeutung. Vor diesem Hintergrund darf Konsumkritik weder Klassismus, Rassismus oder andere Diskriminierungsformen bedienen, sondern muss dazu beitragen diese abzubauen.

von Arpana Berndt
@a_aischa